Geschichtliches

Zunächst wird jede Form behutsam restauriert: hier das Abheben der alten Farbschichten bei einem Frauenkopf von einer Dachgesimskonsole aus der Frühen Gründerzeit.Das Abformen einer Dachgesimskonsole aus dem Neobarock.Die Form wird sorgfältig auf das Abformen vorbereitet.Nach dem Trocknen wird die Form ausgelöst. Hier eine Kunststeinkonsole.

 

Vor gut sechzig Jahren machte sich der Grazer Friedrich Puletz auf, um seine Passion zum Beruf zu machen: Die Restaurierung und originalgetreue Wiederherstellung von Fassaden und Fassadenelementen aller Stile und Stilrichtungen. Als Absolvent der Kunstgewerbeschule brachte er das künstlerische Rüstzeug mit und erwarb sich rasch den Ruf eines Experten in Sachen Fassaden.

Am Höhepunkt seines Schaffens galt er als einer der Fassadenpäpste Österreichs. 1990 zog sich Friedrich Puletz in den Ruhestand zurück. Er übergab sein Unternehmen in die bewährten Hände von  Thomas Prochaska, der die Firma ganz im Sinne des Gründers weiterführt.

An der von einer Generation zur nächsten überlieferten Tradition hat sich bis heute nichts geändert: Wenn an einem Haus Ornamente einer Fassade beschädigt sind, sei es durch Folgen des Krieges, Anstriche oder einfach durch die massiven Schadstoffe in der Luft, wird eine Muster-Form abgelöst. Sollte das gute Stück zu groß sein, kann es auch direkt an der Fassade abgenommen werden. Im Normalfall läßt es sich jedoch entfernen und wird in Kleinarbeit sorgfältig restauriert.

 

In einigen Arbeitsgängen werden alle Spuren der Verwitterung, unsachgemäße Fassadenanstriche und alter Mörtel entfernt. Anschließend erlebt die in aller Schönheit wieder auferstandene Form in der Werkstätte von Puletz ihre Vervielfältigung. Das Modell landet in einer Art Schale. Darüber wird eine Gummimasse gegossen, die abtrocknet und ein genaues „Negativ” der Form bildet. Dieses Negativ wird mit Kunststeinmasse ausgegossen. Es entsteht ein exakter Abguß des Originals. Diesen Vorgang kann man nach Bedarf wiederholen.

Schon bedeutend schwieriger wird das Restaurieren eines Hauses, wenn es wie wir sagen – abgestangelt wurde: Das bedeutet, daß alle Zierglieder entfernt wurden. In diesem Fall wird der Restaurator zum Detektiv. Aus zeitgenössischen Plänen, Dokumentationen und historischen Fotos werden mit feiner Spürnase die ursprüngliche Fassade und alle originalen Ornamente, Profilierungen und Gesimse recherchiert. Aus diesen Erkenntnissen ist es möglich, vollkommen „nackte Häuser” in den zeitgenössisch originalen Zustand zu bringen.

Wie Sie sehen, ist im Haus Puletz alles beim guten alten geblieben, mit einem Unterschied: Während Fassadenrestaurieren früher ein relativ teures Vergnügen war, ist die Preisgestaltung heute flexibler.